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Die KI-Welle rollt
Dr. Michael Gebert Montag, 19. Juni 2023 von Dr. Michael Gebert

Aufblühen der künstlichen Intelligenz in Europa?

Die KI-Welle rollt

Die neue Welle der Künstlichen Intelligenz hat Europa erreicht, und es brodelt kräftig. Ins Rampenlicht tritt Mistral AI, ein noch junges Start-up, das gerade erst aus der Taufe gehoben wurde und trotzdem bereits eine gewaltige Finanzierung von 105 Millionen Euro an Land gezogen hat. Ihr Vorhaben ist ambitioniert: Sie wollen ein KI-Sprachmodell für europäische Unternehmen erschaffen. Werfen wir einen näheren Blick auf die Schlüsselfiguren und was hinter diesem kühnen Plan steckt.

Hinter Mistral AI steht ein Trio ambitionierter Franzosen. An der Spitze steht Firmenchef Arthur Mensch, der seine Sporen in den letzten drei Jahren bei Deepmind, Googles KI-Schmiede, verdient hat, wo er an großen Sprachmodellen gearbeitet hat. Unterstützt wird er von Chef-Wissenschaftler Guillaume Lample, der 2022 bei Facebooks Meta-Konzern das Sprachmodell LLaMa betreute, sowie von Technologiechef Timothée Lacroix, einem weiteren Mitglied von Lample's Team bei Meta. Trotz ihres Industrie-Hintergrunds, fehlt ihnen noch die Erfahrung, ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen.

Antoine Moyroud vom US-Risikokapitalgeber Lightspeed Venture Partners, der die Finanzierungsrunde leitet, ist dennoch begeistert. "Jetzt ist die Zeit, große Sprachmodelle zu bauen", sagt er. "Die Größe der Finanzierungsrunde spiegelt die Ambitionen wider."

Open-Source-Modell

Auf den ersten Blick wirkt die Investitionssumme im Vergleich zu den 10 Milliarden Dollar, die OpenAI, die Firma hinter dem Sprachmodell ChatGPT, in den USA aufgebracht hat, eher bescheiden. Aber in Europa sind neunstellige Summen für ein derart junges Start-up eine Rarität. Das Start-up-Fieber, ausgelöst durch den Erfolg von OpenAI mit der Veröffentlichung von ChatGPT vor sechs Monaten, ist nun auch auf Europa übergesprungen. Besonders im Bereich generativer KI, sehen Investoren ein enormes Potenzial.

Mistral AI plant, ihr Sprachmodell speziell für den Einsatz in Unternehmen zu entwickeln. Die genauen Details sind zwar noch geheim, aber bereits bekannt ist, dass die Software als Open-Source-Modell zur Verfügung gestellt wird. Das bedeutet, der Quellcode wird öffentlich gemacht. Die Befürworter des Open-Source-Ansatzes sehen darin einen Sicherheitsvorteil, da Sicherheitslücken schnell gefunden und behoben werden können.

Mit dieser Strategie steuert Mistral AI auf einen Kurs ein, der den Trend unter europäischen Start-ups widerspiegelt. Viele etablierte Firmen in Europa haben Bedenken gegenüber den großen US-Tech-Konzernen und deren Umgang mit sensiblen Daten. Sie verbieten teilweise den Einsatz von US-Software wie ChatGPT in ihren Datenschutzrichtlinien.

Die Trendwende in den Investitionen in Start-ups ist unverkennbar. Laut Atomico, einem Wagniskapitalgeber, der jährlich die Investments in europäische Start-ups analysiert, gingen 2023 etwa 35 Prozent der KI-Investitionen an Firmen, die generative KI entwickeln. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu nur 5 Prozent im Vorjahr.

Aleph Alpha und Nyonic

Zwei andere aufstrebende Unternehmen, das Heidelberger Start-up Aleph Alpha und Nyonic, das von der ehemaligen SAP-KI-Chefin Feiyu Xu gegründet wurde, verfolgen ähnliche Ziele. Doch Mistral AI sieht sich selbst an vorderster Front, um Europa zu einem glaubwürdigen neuen Akteur im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz zu machen.

Unter den Unterstützern von Mistral AI finden sich neben Lightspeed auch zahlreiche weitere europäische Investoren, darunter die deutschen Investoren La Famiglia und Headline. La-Famiglia-Gründerin Jeannette zu Fürstenberg hält große Stücke auf Mistral. „Wir sehen Mistral als die derzeit einzige echte Möglichkeit, einen souveränen europäischen Akteur im Bereich Künstliche Intelligenz aufzubauen und Unternehmen wie OpenAI einzuholen, die bereits Milliarden an Finanzierung erhalten haben.“

Während sich Mistral AI bereit macht, seine Spuren in der KI-Szene zu hinterlassen, hat Meta, wo zwei der drei Gründer in den vergangenen Monaten generative KI entwickelt haben, angekündigt, künftig einen anderen Ansatz zu verfolgen, bei dem KI "ähnlich wie ein Mensch" lernen soll. Die KI-Welle rollt weiter.


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